Ronald Kodritsch
2026, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm
Die Galerie ist am Freitag 10. Juli und am Samstag 11. Juli ab 13:00 Uhr geschlossen!
Die Galerie Gölles lädt herzlich zur VERNISSAGE ein!
Samstag, 27. Juni 2026 um 17.00 Uhr
Einführung durch Roman Grabner, Leiter des Bruseums Graz
AUSSTELLUNG bis 31. August 2026, Mo – Sa 10.00 – 18.00 Uhr
So nach Vereinbarung 0664 2645975
GABI TRINKAUS
1966 geboren in Graz
1986 Modeschule Hetzendorf
1991 Hochschule für Angewandte Kunst, Meisterklasse für Malerei, Wien
Ihre unverwechselbaren Collagen bestehen aus Schnipseln aus Hochglanz- und Lifestylemagazinen, die sie in unendlicher Dichte auf Karton oder Leinwänden aufklebt oder mit Stecknadeln aufpinnt.
In der Serie „Flowers“ führt Gabi Trinkaus eine zeitgenössische Reflexion auf die kunsthistorische Tradition des Genres Blumenstück durch.
Im Speziellen hat sie sich mit den opulenten Blumenbouquets der Malerin Rachel Ruysch (1664 – 1750) auseinandergesetzt. Sie war Mitglied der Malergilde Confrérie Pictura in Den Haag.
Bei näherer Inspektion der einzelnen Collageteile erkennt man, dass diese Kompositionen im Heute und Jetzt verankert sind. Nicht alle Blütenblätter dieser prachtvollen Sträuße sind das, was sie scheinen, vielmehr bestehen sie Versatzstücken unserer Konsumgesellschaft, aus Gold und Glitter, aus Fleisch und Gemüse, aus Insekten, Haaren, Luxusprodukten und Körperteilen.
Teppiche und Fragmente (Gabi Trinkaus)
Nicht selten entsteht eine Idee aus purer Verärgerung – oder, eleganter ausgedrückt, aus unserem “daily ennui”. So war es auch bei meinen Teppicharbeiten.
In Städten wie München, wo die Preise ständig und aggressiv steigen, während es kaum Anzeichen dafür gibt, dass die Löhne damit Schritt halten werden, kann ein einfacher Supermarktprospekt zu einer echten Sensation werden – umso mehr, als diese Prospekte meist unerwünscht sind und den Briefkasten bis zum „Point of no Return“ verstopfen.
„2+1 gratis“, „immer günstig“ oder sogar „Schnäppchen“ – was auch immer: An Provokationen mangelt es nicht. Fügt noch ein paar „Happy“-Slogans und „Red Bull lässt dich fliegen“ hinzu, mischt das mit gentechnisch verändertem Fleisch und mit Antibiotika gefütterten Hühnern und seht zu, wie das sprichwörtliche Fass überläuft. Was mich betrifft: Ich fühlte mich wie der oft zitierte Pawlowscher Hund in einem fortlaufenden Experiment des täglichen Handels und konnte deutlich erkennen, wie sich ein Muster abzeichnete.
Ein Muster: Stoffe, Teppiche, Gobelins, Alltagsgewohnheiten, Lebensmuster, Verhaltensmuster (der Gesellschaft). Ein einfacher Gedankengang, aber zutiefst wahr: Wir leben in einer gesegneten „2+1 gratis“-Welt. Die wahrscheinlich klischeehafte Assoziation mit Freuds berühmtem Teppich in seiner analytischen Praxis kommt nicht ungewollt, sie passt gut in dieses Denkmuster.
Das Warten auf die Idee, das sich wiederholende Muster eines Teppichs in die physische Form eines Kunstwerks zu übertragen, erwies sich als das ideale Raster für meine beabsichtigten Aussagen. Mein Ausgangsmaterial – Flyer, die mir von der betreffenden Branche großzügig zur Verfügung gestellt wurden – wird nach Bedarf zerrissen oder zugeschnitten und zu Teppichmustern bemalt oder besprüht, die aus der Ferne recht realistisch wirken, aus der Nähe jedoch die wahre Natur ihrer Herkunft offenbaren.
Das Ergebnis ist eine Mischtechnik-Arbeit, bei der Jute-Sackleinen als Untergrund dient. Die raue Struktur der Jute ragt durch das aufgeklebte und gepresste Papier hindurch und fügt dem Werk eine weitere „textile“ Ebene hinzu. Ich habe mich schon immer für die scheinbar bekannten, harmlosen Alltagsgegenstände interessiert. Für mich bergen sie ein enormes Potenzial an Unheimlichkeit. Traditionell galten Teppiche und Läufer über die Jahrhunderte hinweg als wertvolle Statussymbole. An dieser Stelle möchte ich die sogenannten „Holbein-Teppiche“ erwähnen: Hans Holbein der Jüngere verwendete in vielen seiner Gemälde Teppiche mit einem besonderen Muster, um damit den Reichtum und die Macht der porträtierten Person zu symbolisieren.
Auch wenn sich das Sammeln von Teppichen in den letzten Jahren nicht immer als so gute Investition erwiesen hat, betrachte ich die in meinen Teppichen verwendeten Flyer-Fragmente nach wie vor als starke Symbole für Reichtum und Macht – nämlich die des Händlers. Sicherlich nicht die der Käufer.
RONALD KODRITSCH
1970 * in Leoben
1989-90 Studium Kunstgeschichte Wien
1990-92 Meisterschule für Malerei
1992-97 Akademie der bildenden Künste, Wien
Die Geister, die Kodritsch rief, oszillieren malerisch zwischen geradezu kindlich anmutender Harmlosigkeit, die an die Illustration des 1966 erschienenen Kinderbuchklassikers Das kleine Gespenst von Otfried Preußler erinnert, und unheilverkündenden Zwischenwesen, deren Ausdeutung ihres Gebarens der Imagination der Betrachter*innen obliegt.
Alle Arbeiten eint hingegen die Suggestion einer nächtlichen Szene, evoziert durch die Farbgebung, die zwischen blaustichigem Lila und nahezu völliger Schwärze variiert.
Arbeiten aus der umfassenden Serie „Bastards“ und ausgewählte Einzelstücke und Objekte, wie die neue Aluminiumskulptur „Ast mit Ambitionen“, die ebenso als Garderobenständer funktioniert, zeigen einen illustren und poetischen Querschnitt aus seinem Werk.