Renate Krammer

Geboren 1956 in Klein St. Paul (Kärnten)
1981 Abschluss des Studiums der Betriebswirtschaft und der Wirtschaftspädagogik in Graz.
Seit 1989 Beschäftigung mit Malerei, Grafik, Video, Installation und Fotografie.
Vier Semester Künstlerische Gestaltung im Rahmen des Architekturstudiums bei Giselbert Hoke.
Sommerakademie für bildende Kunst, Salzburg, „Von der Malerei zur Fotografie und zurück“ bei Rivka Rinn.
Ausbildung unter anderem bei Helmut Helmessen, Hans Staudacher, Paul Rotterdam und Rebecca LittleJohn.
Ausstellungen in Österreich, Schweiz, Slowenien, Deutschland, Frankreich.

„NULLA DIES SINE LINEA – KEIN TAG OHNE LINIE“1 Paul Klee Diesen Satz aus der Historia Naturalis des römischen Gelehrten Plinius, in der dieser eine Episode zwischen Apelles und Protogenes beschreibt, notierte Paul Klee 1938 in seinen Œuvrekatalog unter eine Zeichnung mit der Werknummer 365. Er könnte die künstlerische Praxis von Renate Krammer nicht besser beschreiben. Seit 20 Jahren ist die Linie formale wie inhaltliche Basis ihres Œuvres, Grundidee und primum movens einer unendlichen Vielzahl von kompositorischen Variationen. Ausdruck einer freihändigen Bewegung auf dem Blatt Papier nach den von der Künstlerin vorab konzipierten Parametern. Diese auch verlassen zu können, wenn sich während der Arbeit andere Ideen als interessanter erweisen, ist Teil von Krammers prozessorientiertem Tun. Klee entwickelte zwischen 1918 und 1927 seine Linientheorie, der er in den folgenden Jahren nur noch wenige Aspekte hinzufügte. Der Linie gesteht er Ausdruck, Dynamik und Psyche zu. Anders Leonardo, der sich ebenso eingehend mit dem Thema der Linie auseinandersetzte, doch diese ganz im Sinne des „disegno“ der Renaissance begriff: als Plan, Absicht, Entwurf. Für Leonardo hatte die Linie die hochkomplexe Eigenschaft, Körper und Objekte zu konstruieren, allerdings bestritt er das Vorkommen der Linie in der Natur und damit auch ihre Notwendigkeit in der malerischen Darstellung. Nach Leonardo sehen wir die Natur nicht in Linien, sondern nehmen Landschaft in unterschiedlicher Schärfe wahr – von den Details der unmittelbaren Umgebung bis hin zu weiter Entferntem, das wir nur noch unscharf erkennen. Daher sollen die Dinge in tonaler Verschränkung im „smufato“ erscheinen. Eine ähnliche Skepsis gegenüber der Linie äußert Pater Zea in Daniel Kehlmanns Roman Die Vermessung der Welt, als dieser dem Naturforscher Alexander von Humboldt vom Versuch erzählt, die Meridianlänge des Äquators festzustellen. „Den Äquator messen. [...] Also eine Linie ziehen, wo nie eine gewesen sei. Ob sie sich dort draußen umgesehen hätten? Linien gebe es woanders.“ Kehlmann lässt Humboldt darauf antworten: „Linien gebe es überall [...]. Sie seien eine Abstraktion. Wo Raum an sich sei, seien Linien“2 und beschreibt damit die Linie als Bewegung im Raum. Doch Renate Krammers Linie ist nicht beschreibend, darstellend, sondern Gegenstand und Hauptakteur der Arbeit selbst. Krammer erforscht die Möglichkeiten der Linie und des Materials Papier empirisch und anhand des künstlerischen Prozesses per se.
(Textausschnitt Silvie Aigner)

Ohne Titel

2023, Maulbeerpapier gerissen, Acryl, Collage, 84 × 84 cm

Lost Space

2023, Acryl auf Leinwand, 200 × 300 cm

Ohne Titel

2024, Acrylglasscheibe, graviert, Holzrahmen, schwarzer Lack, 62 × 62 x 4 cm

Ausstellungen

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)

2025 Floating Lines, Burgkapelle, MMKK Klagenfurt
2025 Papier, RENATE KRAMMER | TONE FINK, Galerie Gölles
2025 round and round she goes and where she stops nobody knows ZEIT, kuratiert von zweintopf, Sammlung Erich Wolf Spiegelgitterhaus Gleisdorf (GA)
2024 7. Internationalen André Evard Preis, Kunsthalle Messmer (D)
2024 THE BEAT GOES ON, 25 Jahre Kunsthalle Feldbach (GA)
2024 >LINIEN-ZWISCHEN-RAUM<, Galerie M, Klagenfurt
2024 Sol LeWitt's Wall. Performed, Re-Imagine the Future, Kunsthaus Graz, Space01
2023 Présence de la ligne, Atelier-Editions Fanal, Basel (GA)
2023 KUNSTSCHRIFT mit Bodo Hell, Künstlerhaus Factory, Wien (GA)
2023 DEN BLICK ÖFFNEN, art.P Kunstverein, Perchtoldsdorf, Wien (GA)
2023 DIE REALE LINIE – THE REAL LINE, Museum der Wahrnehmung MUWA, Graz
2023 ART TANSFORMS US!, WINTER SHOW, Galerie La Ligne, Zürich (GA)
2023 PAPERWORKS&PAPERCONCEPTS, Haus der Kunst, Baden (GA)
2023 see(h)nsucht, millstART, Stift Millstatt (GA)
2023 PAPERWORKS&PAPERSONCEPTS, Galerie im Lindenhof, Raabs (GA)
2023 Initiative Kunstverleih, Akademie Graz (GA)
2023 PAPERWORKS&PAPERSONCEPTS, Kunsthaus Horn (GA)
2022 Art Paris, Galerie La Ligne
2022 Neue Werke. Galerie Leonhard
2021 Linien, Galerie La Ligne, Zürich
2021 Skyfall, Galerie Marenzi, Leibnitz/Stmk
2021 Art Paris, Galerie La Ligne
2021 VIELLEICHT, HilbertRaum, Berlin (GA)
2021 Ortart, geladener Wettbewerb, Stieglerhaus, St. Stefan ob Stainz
2020 LINIEN, Stadtgalerie am Minoritenplatz, Wolfsberg/Ktn
2020 PARALLEL Vienna, GALLERY STATEMENT - styrianARTfoundation, Wien (GA)
2020 Styrian Power 2020, Tennenmälzerei Ebene - 1,40 / OPEN.LAB, Graz (GA)
2020 ART WORKS IN HARMONY, Galerie La Ligne, Zürich (GA)
2020 NINE IN, Part of the Game 2020, 9 Spieler*innen - 9 Videobeiträge, Kunsthalle Graz
2020 Initiative Kunstverleih, Forum Stadtpark, Graz (GA)
2020 Art Paris, Galerie La Ligne, Onlinepräsentsstion
2019 LINIEN; Galerie Leonhard, Graz
2019 slow motion, Studio, Neue Galerie Graz, Video- und Katalogpräsentation
2019 ZWISCHENTÖNE, Irmgard Schaumberger - Renate Krammer, Steirisches Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur
2019 art KARLSRUHE, Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst, Galerie Leonhard
2019 Initiative Kunstverleih, Forum Stadtpark, Graz (GA)
2019 KAMBIUM, im Rahmen des Projektes For Forest, Künstlerhaus Klagenfurt (GA)
2019 Panarte Galerie, Wien
2018 LINIEN, Galerie Leonhard, Graz
2017 Die Poesie der Linie, Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz
2017 Riviera Colony 2017, Porec, Kroatien
2017 Styrian Power, Künstlerhaus Klagenfurt, Kärnten (GA)
2017 SLOVENIJA OPEN TO ART, 25th International Art Symposium, Anerkennungspreis für besondere künstlerische Leistung, Licna Hisa, Ajdovscina, SLO
2017 Grenzen des Sichtbaren, ORF Funkhausgalerie, Graz, mit Gruppe 77
2016 Time-Space-Existence, Architekturbiennale 2016, Palazzo Mora, Venedig
2016 BUCH77, Gruppe 77, KunstRaumZwei, Wien (GA)
2016 Im Kabinett: 232, Galerie 3, Klagenfurt (GA)

Sammlungen: KULTUM depot Graz, Stadt Graz, Neue Galerie Graz, Arthothek des Bundes, MMKK Museum moderner Kunst/Kärnten, WKO Steiermark, Sammlung Quartier Leech, Sammlung Galerie Marenzi, Sammlung Wolf, verschiedene Privatsammlungen
Mitglied: Forum Stadtpark, Künstlerhaus Wien, Kunstverein Kärnten