2014, Collage, Hochglanzmagazine auf Leinwand, 150 x 130 cm
1966 geboren in Graz
1986 Modeschule Hetzendorf
1991 Hochschule für Angewandte Kunst, Meisterklasse für Malerei, Wien
Gabi Trinkaus
Ihr unverwechselbares Erkennungsmerkmal sind Collagen aus teils geschnittenen, teils gerissenen Schnipseln aus Hochglanz- und Lifestylemagazinen, die sie bald in schier unendlicher Dichte, oft mit viel Weißraum und Leerflächen auf monumentalen weißen, zumeist hochformatigen Leinwänden aufklebt und gelegentlich auch mit Stecknadeln aufpinnt.
Gabi Trinkaus bezeichnet sich selbst als "Mediendiebin". Sie zerschneidet Hochglanzmagazine und nutzt sie als Ausgangsmaterial für ihre Collagen aus Porträts und Stadtlandschaften, die auf die Ästhetik von Werbung und Massenmedien verweisen. Gängige Posen, Schönheitsideale und Warenangebote werden aufgegriffen und in den großen Arbeiten gesampelt. In diesen Makeovers von Gesichtern und Körpern generiert Trinkaus eine oberflächlich perfekte Form, die den Betrachter in eine visuelle Falle lockt, wobei sie bewusst Medien- und Werbeikonografie als Köder für den ersten Blick einsetzt. Durch die Anlehnung an eine Ästhetik, die mit der Welt der Werbung und berühmten ikonischen Gesichtern assoziiert wird, spielt Trinkaus in ihrer Arbeit mit der Idee der Verführung. Mit Hilfe der Collagetechnik schafft sie eine Frankenstein-ähnliche Wiederauferstehung des sezierten Werbesujets. Wie sich Schichten von Make-up ablösen, scheinen sich die Gesichter und Körper aufzulösen und den maskenhaften Charakter unserer alltäglichen Lebensinszenierungen zu offenbaren.
In der Serie „Flowers“ führt Gabi Trinkaus eine zeitgenössische Reflexion auf die kunsthistorische Tradition des Genres Blumenstück durch.
In den Blumenstillleben des 17. Jahrhunderts ist der Gedanke der Vergänglichkeit stets präsent, wenn auch zunächst die oberflächliche Schönheit sowie der repräsentative Charakter der Blumen und Sträuße fasziniert. Nicht selten verweisen die Blumen auf die Begrenztheit des Daseins, auf die Nichtigkeit und Vergänglichkeit irdischer Pracht. Der sich ständig verändernde Zustand der Blumen und Früchte auf den Bildern führt fast zwangsläufig die Veränderungen irdischen Seins vor Augen.
Im Speziellen hat sich Gabi Trinkaus mit der Malerei Rachel Ruysch´s auseinandergesetzt. 1664 in Den Haag geboren und 1750 in Amsterdam verstorben, hatte diese einen für eine Künstlerin der damaligen Zeit ungewöhnlichen Karriereweg. Ihre opulenten Blumenbouquets vor dunklem Hintergrund erzielten bereits zu Lebzeiten hohe Preise und sie war Mitglied der Malergilde Confrérie Pictura in Den Haag sowie von 1708 bis 1716 Hofmalerin des Kurfürsten von der Pfalz in Düsseldorf. Trotzdem wurde „diese bedeutende Künstlerin (und damaliger Superstar) in der folgenden Kunstgeschichte nahezu ausradiert“ ´
und erst in jüngster Vergangenheit wiederentdeckt.
Obwohl Gabi Trinkaus ihre Blumenbouquets in Collagetechnik ausführt, bedient sie sich der Stilmittel der Malerei Rachel Ruysch´s. Sie drapiert üppige Sträuße vor nachtschwarzem Hintergrund. Alles Licht konzentriert sich auf die vielfältigen Blüten, zarte Gräser und Blattwerk setzen Akzente. In der Abstufung der Farbtöne, in den warmen und kalten Farben entsteht auch bei ihr eine unglaubliche Plastizität, verstärkt durch den dramatischen Hell-Dunkel-Kontrast. Erst auf den zweiten Blick und bei näherer Inspektion der einzelnen Collageteile erkennt man, dass diese Kompositionen ganz und gar nicht „klassisch“, sondern im Heute und Jetzt verankert sind. Denn nicht alle Blütenblätter dieser prachtvollen Sträuße sind das, was sie scheinen, sie bestehen aus Versatzstücken unserer Konsumgesellschaft, aus Gold und Glitter, aus Fleisch und Gemüse, aus Insekten, Haaren, Luxusprodukten und Körperteilen.
Gabi Trinkaus entlarvt das Unbekannte, die verborgene dunkle Seite – und bei näherer Betrachtung enthüllt sie den beunruhigenden Charakter dessen, was wir zu kennen glauben.
Ihre Collagen waren auf den Kunstmessen wie der Art Basel, der Frieze in London, der Armory Show in New York, der Moscow Biennale of Contemporary Art und der ViennaFair zu sehen und befinden sich in bedeutenden Museen und zahlreichen privaten Sammlungen: darunter das Museum der Moderne, Salzburg, die Neue Galerie, Graz und das Belvedere in Wien, Strabag Collection, das New Britain Museum of American Art in New Britain, Connecticut, sowie das Eskilstuna Artmuseum in Schweden. Zu den Sammlungen zählen das BA-CA Kunstforum, Wien, die Sammlung Bernhard und Elisabeth Hainz, Wien, in der sich eine der ersten Kopfcollagen der Künstlerin befindet, die Sammlung Ivo Moser, Natters, die Sammlung Peter Nobel in St. Gallen sowie die Sammlung Donna Karan in New York.
FOUND ( 4,99 ), 2012
Collage (Hochglanzmagazine) auf Baumwolle, 220 x 290 cm
2015, Collage von Hochglanzmagazine auf Papier, 78 x 93 cm
Ausstellungen
Einzelausstellungen (Auswahl)
2018 „Good Prospectives?“, Galerie Gölles, Fürstenfeld
2016 „The Way We Are Told“, Claire Oliver Gallery, New York
2014 „Paradise with a Limp“, Claire Oliver Gallery, New York
2013 „Save the bank“, Georg Kargl, Wien
2012 „Modern Landscapes“, GSA Stockholm, Stockholm, Schweden
2011 „Come undone“, Galerie Kunsthaus Muerz, Mürzzuschlag
2009 „Cold Cuts“, FO.KU.S, Innsbruck
2008 „Mind the Gap“, Georg Kargl Fine Arts, Wien
2009 „Gabi Trinkaus – flesh“, Kunsthalle Wien, project space, Wien
„Gabi Trinkaus“, Galleri Andersson Sandström, Umeå, Schweden
2005 „You better get the cat in“, Neue Galerie Studio, Neue Galerie Graz
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2016 „140/15“, Galleri Andersson Sandström – Umea, Sweden
2015 „Zenita Komad, Deborah Sengl, Gabi Trinkaus“, Galerie Gölles, Fürstenfeld
2015 Group Show, DNA Galerie, Berlin
2013 „5:2“, Galleri Andersson Sandström – Umea, Sweden
2012 „Ground control“, Kunsthaus Muerz, Mürzzuschlag
2011 „Good Prospects“, 4th Moscow Biennale of Contemporary Art, Moskau
2010 „Körper Codes“, Museum der Moderne Salzburg
„PressArt“, Die Sammlung Annette und Peter Nobel, Kunstmuseum St. Gallen
2009 „Sehnsucht nach dem Abbild“, Kunsthalle Krems
Gemäldegalerie Burgtheater: „Neue Werke“, Foyer Burgtheater, Wien
2007 „wann immer vorerst“ – Aktuelles aus der Sammlung, BA-CA Kunstforum, Wien
2006 „Reflexionen“, Rupertinum Salzburg

